Kategorie-Archiv: Gesellschaft

Ethik soll in sein!

“Im Kopf des Bankers” ist der viel versprechende Name eines DOK-Films, der im vergangenen März auf SF1 gezeigt wurde. Darin wird das schweizerische Bankgeschäft von einst und heute porträtiert, sowie der entsprechende Kulturwandel – oder -zerfall.

Zum Nachdenken brachte mich eine darin vorkommende Aussage O. Grübels. Auf die Frage, was eigentlich ein guter Banker sei, sagt er:

“Ein guter Banker ist jemand, der das Risiko richtig einschätzen kann. (…) Wie viel kann man maximal an einem Geschäft verlieren?”

 

Oswald Grübel, ex CEO von CS und UBS
Oswald Grübel, ex CEO von CS und UBS (Quelle: Reuters)

Entscheidend in dieser Aussage finde ich das Wörtchen “man”. In der Auslegung dieses Wörtchens liegen die grossen Probleme, welche die Finanzwirtschaft uns – der Gesellschaft – in den letzten Jahren beschert hat. Weiterlesen

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Richard Wilkinson

“The average well-being of our societies is not dependent any longer on national income and economic growth. (…) But the differences between us and where we are in relation to each other now matter very much.”

– Richard Wilkinson, Emeritierter Professor in Sozialer Epidemiologie der University of Nottingham (in seiner Rede “How economic inequality harms societies” auf TED.com bei 05’11”)

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Aus Egoismus für soziale Gleichheit

Aus freisinnigen Kreisen hört man oft, dass Einkommensunterschiede durch Leistung gerechtfertigt seien. Wer mehr leistet, soll es auch zu mehr bringen. Wer mehr Verantwortung übernimmt, soll dafür entlöhnt werden. Damit bin ich einverstanden.

Doch die Unterschiede, die heute in den meisten Ländern üblich sind, haben nichts mehr mit Leistung zu tun. Die heutigen 1’226 Dollarmilliardäre (siehe Tagesanzeiger.ch) haben ihre bis zu 69 Milliarden nicht selbst erarbeitet. Die ersten Millionen vielleicht schon (wenn sie nicht geerbt wurden, wie bei vielen auf dieser Liste), doch danach wächst das Einkommen und Vermögen, weil sie ihr Kapital arbeiten lassen. Auch das ist grundsätzlich gut, denn es kommt anderen zugute, wenn Investitionen getätigt werden. Problematisch sind die unzähligen, so kreativen wie komplizierten fiskalischen Tricks, mit denen Vermögende allerlei Steuern umgehen. Das sind Vorgänge, die in keinerlei Verbindung zur Leistung dieser Leute stehen.

Zur Frage der richtigen Entlöhnung für die Übernahme von Verantwortung in grossen Unternehmen kann man heutzutage nur bitter lächeln, wo kaum ein Manager für Schäden seiner Firma geradesteht, sondern höchstens mit einer millionenhohen Abgangsentschädigung in eine andere Firma wechselt, wo er wieder “Verantwortung übernimmt”.

Es geht mir in diesem Beitrag nicht so sehr um die krassen oben erwähnten Beispiele, sondern um Ungleichheit an sich. Weiterlesen

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Unsere humanitäre Tradition braucht Asyl!

Bevor bei gewissen Lesern schon aufgrund des Titels dieses Eintrags das oft benutzte Möchtegern-Argument “sie gehört zu diesen linken Gutmenschen” aufkommt: Ich bin für eine Asylpolitik, die keineswegs als zu lasch bezeichnet werden kann. Ich bin gegen die Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen, für die konsequente Bestrafung krimineller Asylsuchender – oder, besser gesagt, für die konsequente Bestrafung aller Kriminellen, egal welcher Herkunft! – und gegen eine allgemeine Regularisierung aller Sans-Papiers. Aber ich bin der Meinung, dass allen Menschen, besonders den Schwachen und Verfolgten unter uns, eine würdige Behandlung zusteht. Und ich finde es ein Armutszeugnis unsererseits, wenn wir uns in der Asylpolitik, oder überhaupt, von Angst statt von Mut und Offenheit leiten lassen. Weiterlesen

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