Szene aus dem Film "The Pursuit of Happyness"

Glücklichsein ist ein Entschluss

Passend zu meinem Studium werde ich in Zukunft auch über philosophische und psychologische Themen schreiben. Nichts zu Theoretisches, sondern Wissenswertes, was unser aller Leben betreffen kann. Anfangen möchte ich heute, über das, was wir alle, ohne Ausnahme, verfolgen: das Glück.

Vor gut 7 Jahren war ich auf Geschäftsreise mit einer neuen Kollegin, nennen wir sie Helen. Helen und ich kamen am Nachmittag in Brüssel an und hatten den Abend frei, denn unser erster Termin war erst am darauf folgenden Morgen. Wir gingen in den Park und sie erzählte mir von ihrem Leben. Sie hatte eine lange und sehr schwierige Beziehung hinter sich, die ihr viel Energie gekostet hatte und weswegen sie auch mit ihrer Familie Streit gehabt hatte. Sie sagte, sie sei lange deswegen unglücklich gewesen, selbst nach der Trennung, aber das sei jetzt vorbei. Ich fragte sie, was denn passiert sei, was sie von ihrem Unglück befreit habe. Ihre Antwort werde ich nie vergessen: “Ich habe beschlossen, glücklich zu sein.” Und in der Tat habe ich Helen, in der Zeit, in der wir zusammen gearbeitet haben, stets als fröhliche, zufriedene, ausgeglichene und warmherzige Person erlebt. Ich habe Helens Worte jedoch nicht sofort verstanden. Ich brauchte Jahre, um zu verstehen, um zu fühlen, dass sie recht hatte.

Wir alle suchen unser Glück. Alles, was wir tun, ist darauf ausgerichtet. Angesichts des selbstverursachten Elends auf der Welt mag diese Aussage unsinnig erscheinen, aber das liegt nur daran, dass wir eben alle eine andere Vorstellung vom Weg zum Glück haben. Aus beruflichem Erfolg, Familie, Macht, Reichtum, Freundschaften, Gesundheit, kreatives Schaffen, sportlichem  Erfolg usw. suchen wir uns die Kombination aus, von der wir glauben, dass sie uns glücklich machen wird, und verfolgen diese jeden Tag unseres Lebens. Wir gehen davon aus, dass Umstände, Gegebenheiten – einige von uns beeinflussbar, andere nicht – über unser Glück bestimmen.

Ist Glück käuflich?

Besonders beliebt als Weg zum Glück ist materieller Reichtum oder Wohlstand. Viele von uns geben ein beachtlicher Anteil ihrer Zeit und ihrer Energie aus, im Versuch ein immer höheres Einkommen zu erzielen. Dass daran etwas falsch sein muss, sehen wir am Beispiel Japan: Die Zahl der glücklichen Menschen in Japan stagniert seit den 1950er-Jahren trotz einer Versechsfachung des Bruttonationalprodukts. In Deutschland hat sich das Einkommen pro Kopf in der gleichen Zeitspanne verdoppelt, trotzdem schätzen sich die Deutschen nicht glücklicher. Glücksforscher Matthias Berger nennt dieses Phänomen das Wohlstandsparadoxon. Ebenfalls erwiesen ist das Prinzip der hedonistischen Tretmühle, wonach Wohlstand sich wie ein Suchtmittel verhält. Sprich: wir gewöhnen uns schnell an neu gewonnenem Reichtum und brauchen immer mehr, um zufrieden zu sein. Tatsächlich ist es so, dass mehr Geld uns glücklicher machen kann, aber nur solange unsere Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind. Sobald sie es sind, können wir uns kein Glück mehr erkaufen. So fanden Glücksforscher heraus, dass ein Millionengewinn einem Menschen zwar kurzfristig Euphorie beschert, dieser Mensch danach aber zu seinem gewohnten Glückspegel zurückkehrt (Anpassungsprinzip).

Was macht uns also glücklich?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass nachhaltiges Handeln glücklich macht. 600 mexikanische Studenten haben ihr eigenes Wohlbefinden umso höher eingestuft, je ökologischer, altruistischer und ethischer sie sich verhalten. Das Ergebnis ist umso beachtenswerter, weil diese Studenten in eher bescheidenen Verhältnissen lebten. Ebenso wirken sich Beziehungen, soziale Kontakte und persönliches Wachstum positiv auf unser Wohlbefinden.

Es sind also nicht “äusserliche” Faktoren, die über unser Glück bestimmen. Was uns wirklich glücklich macht, hat sehr viel mit unseren Werten zu tun. Und die bestimmen wir. Wir entscheiden, nach welchen Prinzipien wir leben. Wir entscheiden, glücklich zu sein oder nicht. Wer sich bewusst für das Glück entscheidet, lässt sich von Schicksalsschlägen nicht unterkriegen. Das oben erwähnte Anpassungsprinzip funktioniert nämlich auch in die entgegengesetzte Richtung: Jemand, der z.B. verunfallt und nie mehr gehen kann, wird nach einer Phase der Depression zu seinem vorherigen Glück finden.

Wenn wir glücklich sein wollen, hören wir auf unsere inneren Stimmen, die uns zuflüstern, was uns wirklich glücklich macht. Wir finden die Kraft, uns den gesellschaftlichen Diktaten zu widersetzen, trennen uns von was unserem Glück im Wege steht, akzeptieren, was wir nicht ändern können, und versuchen die besten Menschen zu sein, die wir sein können. Das ist Glück.

 

Siehe auch: Aus Egoismus für soziale Gleichheit 

Quellen: WWF Magazin, NDR Fernsehen

 

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3 Gedanken zu „Glücklichsein ist ein Entschluss“

  1. Glück ist wohl ein sehr individuelles Gefühl bzw. eine individuelle Gefühlsregung. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Und zu entscheiden, einfach glücklich zu sein, finde ich erstklassig!

  2. Die Essenz dieses Artikels liegt im letzten Absatz versteckt:

    Hören wir denn alle unsere innere Stimme? Ich kenne viele Menschen, die nicht wissen was ihnen die innere Stimme zuflüstert. Und vermutlich flüstert die innere Stimme auch nicht: Tue das und das, dann bist du glücklich. Wer seine innere Stimme nicht hört, hat ein Problem beim glücklich werden.

    Interessant wäre zu wissen, wie sich Menschen den gesellschaftlichen Diktaten widersetzen. Oft reicht uns schon das Gefühl eines fremden Anspruchs, sei es vom Lebenspartner oder der Freundin um unsere Handlungen darauf auszurichten. Geschehen tut das denjenigen, die sich nicht spüren oder ihre innere Stimme nicht hören oder einfach gelernt haben; auf die anderen zu schauen.

    Einverstanden bin ich auch mit dem 3. Gebot: Los zulassen was unserem Glück im Wege steht. Einfach nicht mehr tun, was uns schwächt, den Job aufgeben der unserem Glück im Wege steht, die alten Freunde los lassen die uns schwächen – unserem Glück im Wege stehen. Ziemlich anspruchsvoll, meine ich und ich meine das ernst. Nur, wie wissen wir denn, was uns nicht mehr stärkt? Sollen wir auf die innere Stimme hören?

    Und wenn wir “es” nicht ändern können, zu lernen damit umzugehen. Die letzte Passage hat es in sich und wie ich persönlich wahrnehme nicht weniger wichtig um glücklich zu sein. Die Dinge einfach zu akzeptieren wie sie sind. Letzteres scheint zumindest für uns Männer nicht immer ganz einfach.

    1. @Erwin Schmäh

      Mit “auf die innere Stimme hören” meine ich natürlich keine auditiven Halluzinationen, sondern der Zugriff auf das Urwissen, das jeder – meist unbewusst – in sich trägt. Das Bauchgefühl, die Intuition. Jeder trägt dieses Wissen in sich, doch viele von uns haben durch Erziehung und gesellschaftliche Normen verlernt, darauf zu hören. Sie wissen nicht mehr, wie sie darauf zugreifen können. Diese Menschen dürften, wie du schreibst, tatsächlich ein Problem damit haben, ihr Glück zu finden. Ich bin aber überzeugt, dass man das auch im Erwachsenenalter wieder lernen kann, wenn man will.

      Selbstverständlich vertrete ich nicht die Meinung, das wir zu egozentrischen Wesen mutieren sollen, um glücklich zu werden. Eher im Gegenteil. Aber es ist wichtig auszumachen, wo unsere Grenzen sind. Irgendwo in der grossen Spanne zwischen egoistischer Unangepasstheit und totaler Selbstaufgabe gibt es eine Grenze – für jeden eine ganz eigene –, die definiert, inwieweit wir auf andere hören können, ohne unser Selbst, unsere Werte und Prinzipien, so zu vergewaltigen, dass wir unglücklich und manchmal gar krank werden.

      Wie können wir diese Grenze finden? Wie finden wir heraus, was uns schadet? Keine leichte Aufgaben. Keine Aufgaben, die schnell zu lösen sind. Ich persönlich löse diese Aufgabe durch viel Reflexion. Nachdenken, mit Freunden philosophieren, andere Meinungen hören, lesen. Wieder nachdenken. Und, ja, auf die innere Stimme hören. So zeichnen sich diese Grenzen immer klarer ab. Dann, ebenfalls sehr schwierig, konsequent danach handeln. Das braucht oft sehr viel Mut.

      Akzeptieren, was man nicht ändern kann: Ich finde das persönlich auch sehr schwierig. Ich denke, für Menschen, die für sich und Andere Verantwortung übernehmen, ist das eine der schwierigsten Lebensaufgaben.

Was meinst du dazu?