Ethik soll in sein!

“Im Kopf des Bankers” ist der viel versprechende Name eines DOK-Films, der im vergangenen März auf SF1 gezeigt wurde. Darin wird das schweizerische Bankgeschäft von einst und heute porträtiert, sowie der entsprechende Kulturwandel – oder -zerfall.

Zum Nachdenken brachte mich eine darin vorkommende Aussage O. Grübels. Auf die Frage, was eigentlich ein guter Banker sei, sagt er:

“Ein guter Banker ist jemand, der das Risiko richtig einschätzen kann. (…) Wie viel kann man maximal an einem Geschäft verlieren?”

 

Oswald Grübel, ex CEO von CS und UBS

Oswald Grübel, ex CEO von CS und UBS (Quelle: Reuters)

Entscheidend in dieser Aussage finde ich das Wörtchen “man”. In der Auslegung dieses Wörtchens liegen die grossen Probleme, welche die Finanzwirtschaft uns – der Gesellschaft – in den letzten Jahren beschert hat. Steht es für die Bank, für die der Banker arbeitet? Für die Gesellschaft? Oder für den Banker selber?

Meiner Meinung nach sollten es eben alle drei sein. Ich fordere nicht, dass Banker und andere Wirtschaftsakteure ab sofort nur auf die Interessen der Allgemeinheit schauen. Ich finde es legitim, dass Menschen ihren Gewinn im Sinn haben und dass Banken und andere Unternehmen den Shareholder Value zu maximieren versuchen. Aber eben nicht nur. Die Verfolgung dieser zwei Ziele darf nicht zur Missachtung gesellschaftlicher Verantwortung führen. Alle drei sollten im Gleichgewicht sein.

Wie kriegen wir das Gleichgewicht wieder hin?

Es ist meine Überzeugung, dass alle Beweggründe, die ein Mensch für das eigene Handeln erfahren kann, schliesslich, wenn man sie im Kleinsten analysiert, über die Eigenliebe auf ihn einwirken. Auch ethische und moralische Handlungen geschehen, weil sie etwas in uns befriedigen. Deswegen sagt man, dass man andere nicht lieben kann, solange man sich nicht selbst liebt. Das ist nicht schlecht oder verwerflich. Es ist bloss die “technische” Erklärung für Motivation und wertet die entsprechenden Handlungen keineswegs ab.

Wenn also eine zunehmende Anzahl Menschen ethischem Handeln keinerlei Befriedigung mehr entnehmen können, müssen wir einerseits dafür sorgen, dass der Gesellschaft zugefügte Schäden den Verursachern höchstpersönlich weh tun. Wir müssen auf die Politik Druck machen, damit sie verhindert, dass Schäden verallgemeinert werden.

Andererseits – und gesellschaftlich viel wichtiger – müssen wir das Ansehen von ethischem und moralischem Handeln kräftig aufpolieren. Diejenigen, die korrekt handeln, müssen mehr Ansehen, mehr Aufmerksamkeit, mehr Lob erhalten, als die narzisstischen “Banksters” dieser Welt. Ethisch und moralisch leben muss wieder ein Grund werden, stolz auf sich zu sein. Gutmensch, die Kombination aus “gut” und “Mensch”, muss aufhören, ein Schimpfwort zu sein! Welchem perversen Geist ist es eigentlich zu verdanken, dass es heute eins ist?!

 

flattr this!

2 Gedanken zu “Ethik soll in sein!

  1. Ich habe das Interview, auf welches Du Bezug nimmst nicht gelesen, kann also sein, dass da mehr stand.
    Neben der Frage des maximal möglichen Verlustes und wen dieser trifft, welche Du hier ja abhandelst würde für mich zur Aufgabe das Bankers auch gehören abzuschätzen, und ggf abzusichern, wie wahrscheinlich es ist, dass dieser Verlust auftritt und welche sekundären Effekte dieser Verlust hat.
    Es macht einen enormen Unterschied, ob ein Multimillliardär 10 Millionen auf seinen Anlagen verliert, oder ob das ein KMU ist, der so dumm war seine gesamten flüssigen Mittel auf eine Investition zu legen (bzw sich das von einer Bank aufschwatzen zu lassen). Und wenn das dann gar eine Sozialversicherung ist, also Allgemeingut sieht es nochmal ganz anders aus.
    Und in den letzten Jahren war es ja sogar so, dass die Bankster zwar zwar völlig virtuelle Risiken angenommen haben und daraus dann das Recht abgeleitet haben höhere Zinsen zu verlangen, in der Praxis aber entweder darauf bestehen, dass Risiken gar nicht eintreten dürfen (Zahlungsausfall bei Staatsanleihen) oder aber diese verschleiert weiterverscherbelt haben (die BVK, deutsche staatliche Banken etc lassen grüssen….)

  2. @andreas

    Ich bin ganz mit dir einverstanden. Es empört mich immer wieder sehr, wie gewisse Banken grosse Erträge absahnen aber die Risiken auf andere abwälzen!

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