Grossbanken, Ölmultis, Rohstoffgiganten und andere – auch kleinere, weniger bekannte Unternehmen – sind immer wieder wegen ihrer verantwortungslosen, Menschen und Umwelt verachtenden Geschäftspraktiken in den Schlagzeilen. Man könnte dabei den Eindruck bekommen, es gebe heutzutage keine gegenteiligen Beispiele, man könne im heutigen Markt nicht anders bestehen. Dem ist nicht so und ich möchte euch heute auf eine Firma aufmerksam machen, die vormacht, wie man Natur und Menschen respektieren und dabei wachsen und Gewinne erzielen kann: Victorinox.
Der Taschenwerkzeughersteller aus Ibach, Schwyz, hat Nachhaltigkeit zum Unternehmensziel erklärt – wie so viele Unternehmen es heute tun – und setzt dieses Ziel auch konsequent um – wie es leider nur wenige tun, die sich dies auf die Fahne schreiben. So heizt Victorinox seine Gebäude in Ibach mit Abwärme und komplett ohne Erdöl, setzt auf Wiederverwertung der Produktionsabfällen sowie auf Wiederverwertbarkeit seiner Produkte, verzichtet vollständig auf Schwermetalle, verwendet umweltfreundliche Verpackungen und fördert die Verwendung von energieeffizienten Geräten sowie von lokalen Produkten. Dieses Engagement brachte der Firma nicht nur tiefere Betriebs- und Unterhaltungskosten, sondern 2008 auch den Firmenpreis für “besondere Leistungen auf dem Gebiet des Umweltschutzes” der Schweizerischen Umweltstiftung.
Aber nicht nur was die Umwelt angeht ist Victorinox engagiert. Das Unternehmen schaffte es durch unkonventionelle Lösungen während der Krise nach 9/11 – die dieses Unternehmen besonders hart traf, da man fortan nicht mehr mit Taschenmessern im Handgepäck fliegen durfte – keinen einzigen seiner Angestellten zu entlassen! Solche Rücksicht und Loyalität den Angestellten gegenüber sollte Schule machen. Und sie hat sich für dieses Unternehmen gelohnt, das heute solide da steht und überlegen wächst.
Im Sinne von “Gutes tun und darüber reden” hat Victorinox das Projekt “Time to Care” lanciert. Das Projekt beinhaltet unter anderem einen internationalen Wettbewerb für nachhaltiges Design. In diesem Zusammenhang wurden innovative Ideen entwickelt und verwirklicht wie ein Gerät, LEAF, das aus Luft und Solarenergie 20 Liter Trinkwasser pro Tag produziert, robust ist und wenig Unterhalt benötigt. Stell dir vor, was es bewirken kann, in einem von Wassermangel geplagten Entwicklungsland jeder Familie so ein LEAF zur Verfügung zu stellen. Es sind aber noch andere spannende Konzepte aus diesem Wettbewerb entsprungen, wie eine wasserlose Toilette gegen den weltweiten Wassermangel, ein Fischernetz, das kleine Fische durchlässt gegen die Überfischung der Meere oder eine sichere Kochstelle für Haushalte in Entwicklungsländern. Auf der Internetseite des “Time to Care” Projekts kannst du alle Ideen samt Erklärungen und Bildern sehen.
Victorinox setzt ganz bewusst keine Testimonials für seine Werbung ein. Stattdessen wendet es das dadurch eingesparte Budget für die Förderung von Ideen, Visionen und Konzepten ein, die ein Leben in einer gesünderen und faireren Welt ermöglichen sollen, für unsere und zukünftige Generationen. Gleichzeitig erwirkt es dabei für sich selbst und die eigenen Produkte einen breiten Werbeeffekt. Ich wünsche, dass viele Unternehmen mehr diesem Beispiel folgen und vermehrt Gutes tun, worüber sie und wir dann reden können.

Hmm – ich werd’ wohl wiedermal ein tolles Taschenmesser kaufen gehen.