Krater von Derweze

Ooops, they did it again!

Schon wieder hat ein Energiekonzern durch seine unvorsichtige, rücksichtslose Gier und Selbstherrlichkeit eine Katastrophe verursacht. Ich werde hier nicht die technischen Details und Gefahren ausführen, die ich sowieso nur von Zeitungsartikeln kopieren könnte (wer sie nachlesen möchte sehe sich bitte unten die Quellen an). Ich wundere mich nur, wieviele Katastrophen es wohl noch braucht, bis man diesen Inkompetenten Grenzen setzt?

Sie scheren sich um Sicherheit und betreiben überalterte Plattformen (teilweise aus den 60ern!), die nicht einmal regelmässig überprüft werden. Zum xsten Male beteuern sie, für den Notfall gewappnet zu sein, und wie so oft sind sie dann ahnungslos, wie sie den eigenen Schlamassel aufräumen sollen. Aber der britische Energieminister, Charles Hendry, hat “vollstes Vertrauen in das Krisenmanagement von Total.” Na dann, wenn ein Blinder den Inkompetenten vertraut, können wir ja beruhigt sein! Dann können wir getrost auf strengere Auflagen und Sicherheitsvorschriften sowie mehr Kontrollen für die Branche verzichten. Die Energiekonzerne räumen ja immer so schön hinter sich her auf – das sieht man momentan im Golf von Mexiko, wo es ja wieder wunderbar sauber ist und keine Meeressäuger an den Folgen von BP’s Fahrlässigkeit sterben. Vertrauen wir ihnen doch weiterhin!

Für den Fall, dass Total das Leck nicht schliessen kann – wofür sie, selbst wenn sie es schaffen sollten, nach eigenen Angaben bis zu 6 Monate Zeit brauchen werden! – hoffen sie darauf, dass das Gas von alleine versiegt. Man lasse das kurz auf sich einwirken… So sehr glauben sie also an ihren Erfolgsaussichten. Hoffnung sei jedem vergönnt aber in dem Fall braucht es Hoffnung religiöser Ausmasse, um an ein selbständiges Versiegen des Gaslecks zu glauben. So sprudelt es in der Nähe von Elgin seit 20 Jahren Methan aus einem im Auftrag der heutigen Exxon Mobil “aus Versehen” verursachten Leck. Es konnte nicht geschlossen werden, also zog man ab und kümmerte sich nicht weiter darum. Ein Meeresbiologe schätzt, dass “ein Viertel der gesamten natürlichen Methan-emissionen aus dieser Quelle stammt“. Nicht weiter schlimm, Methan ist bloss schädlicher als CO2 wenn es um das Klima geht!

Als kleine Aufmunterung würde ich Total noch auf ein Beispiel aufmerksam machen, warum sie unbedingt weiter hoffen sollten:

Krater von Derweze
Krater von Derweze (Quelle: Wikipedia)

Der Krater von Derweze, in Turkmenistan, entstand 1971 bei der Suche nach Gasvorkommen. Die mit Gas gefüllte Höhle stürzte unter der Bohrplattform zusammen und hinterliess ein riesiges Loch mit 70 Metern Durchmesser. Um die Entladung des giftigen Gases in die Atmosphäre zu vermeiden, beschloss man, es abzufackeln. Man dachte, das Feuer würde nach einigen Tagen verlöschen. Dumm gelaufen: Es brennt nach über 40 Jahren noch immer.

Mag jemand schätzen/berechnen, wieviel CO2 dadurch verursacht wird?

Quellen:
Tagesanzeiger – “Experten untersuchen Leck auf Gasplattform”
Tagesanzeiger – “Ein Bohloch in die Hölle”
Tagesanzeiger – “In der Nähe sprudelt es seit 20 Jahren”
WWF – “Unfall auf der Gasförderplattform Elgin”
WWF – “Gasleck in der Nordsee: WWF befürchtet Todeszone”
Handelsblatt – “Total rüstet sich für den grossen Knall”
Handelsblatt – “Nordsee-Plattform: Expertenteam untersucht Gas-Leck auf der Förderplattform”
Wikipedia – Krater von Derweze

Siehe auch:
Was BP’s Wort wert ist

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