Was BPs Wort wert ist

22 Monate nach dem Desaster von Deepwater Horizon im Golf von Mexiko bietet BP den ca. 116‘000 (je nach Quelle auch 120‘000) direkt betroffenen Fischer, Restaurant- und Hotelbesitzer, die eine Sammelklage auf Schadensersatz angestrebt haben, einen Vergleich von 7,8 Milliarden US-Dollar. 7,8 Milliarden US-Dollar klingt vorerst nach viel Geld, doch diese Summe ist absolut lächerlich! Das macht einen Schadensersatz von ca. 67‘000 US-Dollar pro Kläger. 67‘000 US-Dollar für jede zerstörte Existenz. Und das in einem Land, wo man 2,7 Millionen zugesprochen bekommt, wenn man sich bei McDonald’s mit zu heiss ausgeschenktem Kaffee verbrüht. BP hofft wohl darauf, dass sich die Leute lieber mit sicheren 67‘000 US-Dollar zufrieden geben, als jahrelang auf einen unsicheren Betrag zu hoffen. Wo ist der grosskotzig verkündete Wille, für all die Zerstörung aufzukommen, die BP und Transocean von vornherein nur durch Gier herbeigeführt haben? Selbst der errichtete Fond, der für gesundheitliche Folgeschäden aufkommen soll, hat bislang jegliche Forderungen abgelehnt. Der wurde wohl nur als Beigemüse zur teuren PR-Kampagne erstellt, die das Image der skrupellosen Umweltschänder wieder vom vergossenen Rohöl befreien soll. Und die umfangreichen Mittel zur Eindämmung der Katastrophe, hunderte von Schiffen und duzende U-Boote mit denen Tony Hayward das Engagement von BP demonstrieren wollte (siehe nachfolgendes Video; Update: das Video wurde nachträglich leider gelöscht), sind zeitgleich mit den Fernsehkameras vom Golf verschwunden.

Dieser Vergleich soll aber auch einem zweiten, wahrscheinlich weit wichtigeren Zweck dienen: Die Öffentlichkeit soll so lang wie möglich daran gehindert werden, an die 72 Millionen Seiten des Untersuchungsberichts zu kommen. Denn dann werden wir erfahren, wie es genau dazu kommen konnte, sowie die Namen der Verantwortlichen. Aufgrund von anderen Ereignissen können wir vermuten, dass die Veröffentlichung dieser Tatsachen das eben wieder aufpolierte Image des Ölkonzerns wieder grob beschmutzen wird. So haben Recherchen eines Journalisten ergeben, dass es auf einer Bohrinsel von BP und Transocean im Kaspischen Meer schon mal einen Ausbruch gab, wobei 11 Menschenleben auf dem Spiel standen, und zwar aus dem genau gleichen Grund wie später im Golf von Mexiko: billiger Zement. Dieser Zwischenfall wurde vertuscht und da BP mit dem billigen Zement hunderte von Millionen Dollar einsparen kann, wurde er weiter verwendet. Heute wissen wir, mit welchen Konsequenzen.

Auch über Schadensbegrenzungsmassnahmen hat BP geradewegs gelogen: Sechs Monate vor der Katastrophe von Deepwater Horizon schworen sie unter Eid, im Falle eines Ausbruchs die nötige Ausrüstung vor Ort zu haben. Nichts war da. Sie kam nach 5 Tagen! Dieselbe Lüge mit ähnlichen Folgen hatten sie schon 20 Jahre früher in Alaska gebracht.

Wie auch immer die zivilen Kläger sich bezüglich des Vergleichs entscheiden, es ist sehr zu hoffen, dass die zwei weiteren hängigen Klagen seitens des Staates und des Bundesstaates bewirken werden, dass BP, Transocean, Halliburton und wer sonst noch beteiligt war angemessen für die verursachten Schäden bezahlt und dass der Untersuchungsbericht öffentlich gemacht wird. Wir müssen wissen, was da genau passiert ist. Denn 22 Monate nach der Katastrophe bohren BP und andere fleissig weiter: Allein im Golf von Mexiko stehen zur Zeit 39 Bohrinseln, Shell bohrt gar in der Arktis, wo die Gefahr noch viel grösser ist, als bei Tiefseebohrungen. BP hat im letzten Quartal einen Gewinn von 7,6 Milliarden gemacht (der Vergleich ist somit locker wieder drin!) und die BP-Aktionäre erhalten gar eine um 14% höhere Dividende als im letzten Jahr. Die BP-Welt ist wieder in Ordnung!

Man fühlt sich sogar schon so sehr wieder sauber, dass man sich darüber beschweren mag, heute wegen neuer Auflagen länger auf eine Bohrgenehmigung warten zu müssen. „Die neuen Auflagen sind eine Belastung für die Branche“, so Don Briggs von der Louisiana Oil and Gas Association. Wir fühlen mit, denn wir wissen wie finanziell angeschlagen die Branche doch ist. Und empört ist man, weil man „dämonisiert“ wird (wörtliches Zitat)! Man würde sich in Zukunft gut überlegen, in amerikanischen Gewässern nach Öl zu bohren, meint Briggs weiter. Leider können wir nicht darauf vertrauen, dass er diese Drohung je umsetzt, weder was amerikanische noch sonstige Gewässer betrifft.

Quellen: Democracynow.org, Zeit online, New York Times

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2 Gedanken zu „Was BPs Wort wert ist“

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