Handschlag mit neuen Technologien

Bedingungsloses Grundeinkommen: Wir haben keine Wahl

Die Unterschriftensammlung läuft gut und so kommt das Volk voraussichtlich dazu, über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) abzustimmen. Ich werde hier nicht darauf eingehen, was das bedingungslose Grundeinkommen ist (hier und hier nachzulesen) oder alle Argumente aufzählen, die dafür oder dagegen sprechen. Wer sich da etwas einlesen möchte, findet mit einer Googlesuche viel Material. Sehr kurz gefasst kann man sagen: Für ein BGE spricht, dass es allen Menschen ein würdiges Leben, die Teilnahme am sozialen, gesellschaftlichen Leben und die Ausübung von Tätigkeiten ermöglichte, die ihnen entsprechen. Dagegen spricht das Risiko, dass die Produktivität dem wegfallenden Leistungsdruck entsprechend zurückginge. Dies hätte sinkenden Wohlstand zur Folge und auch die Finanzierung des BGE wäre somit gefährdet.

Es scheint mir, als lägen die Differenzen der pro- und contra-Lager in dieser Sache im jeweiligen Menschenbild. Haben wir Menschen eine intrinsische Motivation zu arbeiten, zu leisten, zur Gemeinschaft beizutragen? Oder sind wir faule Opportunisten, die nur tun, was sie tun müssen oder was ihnen hohe Profite verspricht? Meiner Meinung nach, sind wir grundsätzlich Wesen, die leisten wollen, die Bestätigung brauchen und diese zu einem grossen Teil in der Arbeit suchen. Auch die soziologische Forschung deutet darauf hin. Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich nicht so verhalten, die versuchen, möglichst auf Kosten Anderer zu leben und sich den Lebensunterhalt zu erschleichen. Ich glaube, dass diese Menschen aufgrund von erfahrener Chancen- und Perspektivenlosigkeit, Diskriminierung, mangelnder Bildung und Erziehung so wurden und nicht, weil diese Lebenseinstellung sie befriedigt. Folglich bin ich, wenn auch etwas skeptisch, eher für ein BGE.

Die Roboter kommen!

Handschlag mit neuen Technologien

Aber, abgesehen von allen viel genannten Gründe dafür und dawider findet heute eine Entwicklung statt, die uns zwingen wird, ein BGE einzuführen. Eigentlich sind sie ja schon lange da, die Roboter. Doch wie Erik Brynjolfsson in seinem Buch Race Against The Machine erklärt, waren sie bislang Werkzeuge, die uns Menschen ermöglichten, produktiver zu sein. Doch nun kommt eine Generation von Robotern, die uns ersetzen, die ganz ohne uns viel produktiver sind. Viele unqualifizierte Arbeiten wurden schon von Robotern ersetzt, doch auch qualifizierte Arbeiten werden vermehrt von ihnen erledigt werden, auf viel effizientere und günstigere Weise, als wir es können. Das Durchsuchen von juristischen Daten nach relevanten Fällen und Informationen, die Auswertung von Röntgen- und MRI-Bildern, das Stellen von Routine-Diagnosen, das Fahren und Fliegen, verschiedene Aufgaben der Pflegenden: Solche Arbeiten und viele mehr werden bald von Robotern übernommen. Dadurch wird die Verteilung des Einkommens weiter von der menschlichen Arbeitsleistung entkoppelt. (Das ist ja zum Teil schon so, denn viel Einkommen wird heute schon durch Kapital – und der Arbeit Dritter – generiert.)  Das eine Argument gegen das BGE also wird auch ohne BGE eintreten. Nicht diejenigen, die mehr leisten, werden mehr verdienen, sondern jene, die die Unternehmen besitzen, welche dank hoch effizienter und immer günstigeren Robotern immer mehr Gewinn erzielen. Gleichzeitig wird es immer weniger Arbeitsplätze geben, die sich immer mehr auf enge Felder konzentrieren (solche, wo Roboter den Menschen nicht zu ersetzen vermögen) und wofür eine immer begrenztere Gruppe von Menschen in Frage kommen.

Es wird also unweigerlich ein Umverteilungsmechanismus brauchen, wenn wir nicht wollen, dass der Grossteil der Menschen verelendet und die Wirtschaft mangels Konsumenten zusammenbricht. Und das Einkommen wird, so oder so, von der heute bezahlten Arbeit entkoppelt. Wir werden, so glaube ich, gar nicht die Wahl haben, ob wir ein BGE wollen oder nicht. Wir sollten aber alle darüber nachdenken und diskutieren, wie wir ihn genau ausgestalten wollen.

 

Allen, die an dieser technologischen Entwicklung interessiert sind, empfehle ich folgenden ca. 11 Minuten langen TED Talk von Erik Brynjolfsson:

 

Update vom 09.05.2013:

An der re:publica 13 hat Johannes Kleske einen interessanten Vortrag über die Zukunft der Arbeitswelt im Zusammenhang mit neuen Technologien gehalten, worin er verschiedene Zukunftsszenarien beschreibt und vorschlägt, wie wir am besten mit diesen Aussichten umgehen sollten:

 

Update vom 31.08.2014:

Dieses Video zeigt, dass die oben beschriebene Entwicklung der Robotik nicht eine Möglichkeit ist, die die Zukunft birgt, sondern heute schon Realität:

 

Folgende Artikel zu diesem Thema sind ebenfalls interessant:
The Rise of Robots – and Decline of Jobs – Is Here
Maschinen verdrängen Menschen
Robots and Robber Barons
“Der Mensch sucht Betätigung, er ist kein Wesen, das nur fernsieht”

flattr this!

9 Gedanken zu „Bedingungsloses Grundeinkommen: Wir haben keine Wahl“

  1. Wie immer, wenn Du schreibst, gibt’s was zu studieren. Das Bild der verelendenden Menschen, die durch Roboter ersetzt werden, ist ein Szenario, dass mir gar nicht gefällt. Im Wissen aber, dass der technische Fortschritt nicht aufzuhalten sein wird, braucht es zukünftig neue Lebens(grundlagen)modelle.

    1. Danke! Wenn das so ist, ist der Zweck dieses Blogs erfüllt. Das freut mich!

      Genau das meine ich: Den Fortschritt der Technologie kann man nicht aufhalten – sollte man meiner Meinung nach auch nicht. Wir müssen aber voraus denken und die Gesellschaft so umorganisieren, dass alle von diesem Fortschritt profitieren und nicht nur wenige.

  2. Ich finde Deinen Beitrag klasse. Einzig die Frage ob die Bezeichnung Umverteilung durch das Wort Teilungsverhältniss, oder ähnliches, ersetzt werden sollte. Es wäre für mich stimmiger, wenn wir es gesellschaftlich so Organisieren könnten, dass nicht erst jemandem etwas zugesprochen wird, was dann hinterher wieder vom Teller genommen wird.

    1. Hallo Wolfgang!

      Ja, das ist ein guter Punkt. Auch weil das Wort “Umverteilung” meiner Meinung nach in Vielen negative Assoziationen – bis hin zur Enteignung -hervorruft.

  3. Hallo Sofia,
    der eine Teil ist korrekt, der Schluss auf das BGE meiner Meinung nach nicht. Es gibt viele Statistiken die belegen, dass die Arbeitslosigkeit im produzierenden Gewerbe mit steigender Automatisierung stark angestiegen ist. Andererseits ist die Produktivität gestiegen. Dies hat zur Folge, dass die Gesamtwirtschaft besser da steht und es im Schnitt allen besser geht. Die Leute die einfache Tätigkeiten ausgeführt haben, können nur durch Bildung bzw. Hochbildung aus der Spirale entkommen. Das ist meiner Meinung nach die Umverteilung. Es ist so etwas wie moderne Evolution. Früher sind die schlechteren Jäger und Sammler nicht weiter gekommen. Heute muss man sich anders durchschlagen. Klingt hart, ist aber irgendwie so, oder?

    Die Automatisierung bzw. Robotik schafft eine ganze Menge Arbeitsplätze und die sind wesentlich besser bezahlt als die Niedriglohnjobs die in letzter Konsequenz durch Robots ersetzt werden. (Die Mitarbeiter am Produktionsband von Automobilherstellern mal ausgeschlossen, denn die haben eine unglaubliche Vergütung für die relativ einfache Tätigkeit.)
    Natürlich ist das für den Einzelnen immer schrecklich, wenn er seinen Job verliert. Aber wer als Mensch 8h/Tag ein Teil in eine Kiste räumt und das als Erfüllung seines Lebens ansieht, der wird auch mit dem BGE keinen Finger krumm machen. Ich vermute eher “Theorie X” nach McGregor (http://www.personalmanagement.info/de/infopool/glossar/xy-theorie.php) als Theorie Y. Denn wer zu Theorie Y gehört, der wäre ohnehin genervt von dem eintönigen Job und würde sich schnell selbst etwas anderes suchen.

    Und ein Fakt ist auch noch sehr wichtig: Die Unwissenheit der Zuschauer über die Funktionsweise von Algorithmen wird in Filmen immer ausgenutzt, um so zu tun als ob Roboter irgendwie selbst etwas tun. Z.B. die Weltherrschaft an sich zu reißen und uns alle zu versklaven. Ich bin ja Ingenieur und beschäftige mich mit der Programmierung von Mikrocontrollern usw. und ich kann da ganz klar sagen: Die sind richtig dumm.
    Solche Leistung wie das menschliche Hirn werden wir mit aller Rechenkapazität der Welt nicht auf die Reihe bekommen. Wir Menschen haben auch nichts davon, wir wollen ja Sklaven die die scheiß Arbeit für uns übernehmen.

    Früher hat man Gearbeitet um zu überleben.
    Heute Leben und Arbeiten wir.
    In Zukunft leben wir nur noch.

    Das wäre doch was, oder? :-)

    Übrigens, wer mal Angst vor Robotern bekommen möchte, der kann sich gern den Channel von Boston Dynamics anschauen: http://www.youtube.com/user/BostonDynamics
    Da weiß ich auch nicht, ob ich das lustig finden soll. :(

  4. Hallo Paul!

    “Andererseits ist die Produktivität gestiegen. Dies hat zur Folge, dass die Gesamtwirtschaft besser da steht und es im Schnitt allen besser geht.”

    Im Schnitt schon. Der Punkt ist aber, dass während die Statistik (Schnitt) gut aussehen wird, die Wirklichkeit eine noch weiter geöffnete Einkommensschere sein wird. Da ist der Schnitt auch nicht weiter tröstlich.

    Dass die Bildung an die zukünftigen Bedürfnissen angepasst werden muss, finde ich auch, unbedingt. Doch die These ist, dass die Technologie nicht so viele Arbeitsplätze schaffen wie sie verschlucken wird. Und dass sie in Zukunft keinesfalls nur niedrig bezahlte Jobs vernichten wird. In diesem Fall reichen die Bildungsmassnahmen nicht. Davon, die moderne Version der “schlechten Jägern und Sammlern” einfach ihrem Schicksal zu überlassen, halte ich nichts, solange es für alle genug hat.

    Theorie X ist wissenschaftlich überholt. Der Stand der Psychologie deutet auf Theorie Y hin. Selbstverständlich, wie in der von dir verlinkten Seite erwähnt, werden nicht ausnahmslos alle davon angesprochen. Aber Menschen, die heute “8h/Tag ein Teil in eine Kiste” räumen, machen das nicht, weil sie es als Erfüllung ihres Lebens ansehen oder faul sind, wie du anzudeuten scheinst, sondern weil sie wirtschaftlich dazu gezwungen sind. Durch das BGE wären sie von diesem Zwang befreit und hätten die Möglichkeit, sich weiterzubilden und eine Arbeit auszuführen, die nicht von Maschinen übernommen werden wird, möglicherweise einer, die vom Markt nicht mit einem Lohn entgolten wird und heute deswegen vernachlässigt wird.

    Zur Furcht vor Robotern: Ich glaube auch, dass viele Angst vor einer zukünftigen “Machtübernahme” seitens hoch entwickelter Roboter haben. Persönlich befürchte ich das nicht. Im Gegenteil, wenn die These, die ich oben darlege, eintrifft, freue ich mich darüber, dass wir mehr Kapazitäten frei bekommen, um das zu tun, was uns erfüllt. Aber wir müssen tatsächlich alle etwas davon haben, nicht nur im Schnitt.

    1. Ciao Sandra, quanto tempo….
      BGE, schwieriges Thema, Bildung ist nicht immer eine monetäre frage, Ehrgeiz, Visionen oder Materialismus treiben das Jäger oder Sammler. Richtig ist helfen, wer Hilfe braucht, nicht wer das system benutz und auf kosten anderen sein leben, Lebt.
      Viel erfolg
      Lg
      Gianluca

      1. Ciao Gianluca :-)

        E già, passa sempre più in fretta!

        Ich stimme dir zu, dass Bildung nicht nur von der finanziellen Möglichkeit abhängt. Ehrgeiz, Visionen, Materialismus, wie du sagst, spielen eine grosse Rolle. Womit wir wieder beim Menschenbild wären und der entsprechenden Einschätzung, welcher Anteil der BGE-Begünstigten denn das System ausnutzen würde. Dazu eine objektive Einschätzung zu geben ist meiner Meinung nach nicht möglich.

        Was jedoch alle beschäftigen sollte, egal welches Menschenbild wir haben, ist die zunehmende Entkoppelung von Arbeit und Einkommen. Es wird immer mehr das Kapital belohnt statt Arbeit, und die fortschreitende Technologisierung begünstigt diese Entwicklung. Deshalb brauchen wir so oder so ein anderes System der Arbeits- und Einkommensverteilung.

        LG

  5. Ist das in der Schweiz nicht immer so, dass man gleich mehreres gleichzeitig absegnet. Wie die Begrenzung der Managergehälter, die nicht kam, weil man damit auch die eigenen Mehrausgaben gesteigert hätte. Das wird wohl die formale Hürde beim BGE sein

Was meinst du dazu?